Samstag, 6. August 2011

6. August 1988 - Appetite for Destruction

Heute vor 23 Jahren, am 6. August 1988, wurde das Guns´n´Roses Debutalbum „Appetite for Destruction“ Nr. 1 in den USA.
Das Album war bereits 1987 veröffentlicht worden und schon 57 Wochen lang in den Charts, bevor es zur Nr. 1 aufstieg und bedeutete das Ende einer langen Rock-Durststrecke in den Pop- und Glam-geprägten Anfangsachtzigern.
Viele songs auf dem Album sind bis heute legendär: „Welcome to the Jungle“, das die Gründungsstadt der Band, L.A., beschreibt, deren Ambiente bei der Band selbst aber nicht sehr beliebt war und das von VH1 zum besten Hard Rock Song gekürt wurde; „Sweet child of mine“, ihr einzige US-Nr-1-Hit, der entstand, als Axl sich an der Gitarre aufwärmte und ein zirkusähnliches Intro eher zum Spaß wiederholte, dass dann zu dem berühmten Aufhänger des Songs wurde. Oder „Paradise City“, das die Band schrieb, während sie von einem Gig zurückfuhren und in ihrem Van herumspielten. Die Originalzeile von Paradise City lautete lt. Slash „Where the girls are fat and they´ve got big titties“. War dann wohl doch nicht so erfolgversprechend und wurde schließlich geändert in „where the grass is green and the girls are pretty“. Die girls aus L.A. beleidigen war sicher nicht der Weg zum Ruhm.
November Rain und Don´t Cry waren zu dieser Zeit eigentlich auch schon fertig, kamen aber nicht mit aufs Album, weil mit „Sweet Child of Mine“ bereits eine Ballade inkludiert war.
Das original Albumcover zeigte ein Bild von Robert Williams, auf dem eine vergewaltigte Frau an einer Wand lehnt, und der roboterähnliche Vergewaltiger kurz davor ist, von einem metallischen Rächer bestraft zu werden. Das Cover wurde von einigen Plattenläden verbannt oder abgelehnt, woraufhin die Band es auf das bis heute bekannten Kreuz mit den 5 Bandmitgliedern im Totenkopfformat änderte.
Für die Alben, die im 2-Seiten-Format erschienen (also als Kassette oder LP), gab es keine traditionellen A und B-Seiten, sondern eine G-Seite, die sich mit den Themen von Drogen und hartem Leben beschäftigte und eine R-Seite, die die Sex- und Liebessongs behandelte.
„Appetite for Destruction“ ist bis heute das bestverkaufte Debutalbum aller Zeiten in den USA, bekam 18x Platin und wurde weltweit 28 Millionen Male verkauft und bekam außerdem 2 MTV-Awards: für den besten Newcomer und das beste Rock Video.
Mitte der 90er Jahre fiel die Band stückweise auseinander, alle ursprünglichen Mitglieder verließen nach und nach die Band. Rhythmusgitarrist Izzy Stradlin spielte kurz bei Velvet Revolver mit und ist hin und wieder als Gast bei der derzeitigen Formation von Guns´n´Roses zu sehen. Bassist Duff McKagan gründete zusammen mit Gitarrist Slash und dem späteren G´n´R-Drummer Matt Sorum die Band Velvet Revolver, die auch heute noch erfolgreich spielt. Originaldrummer Adler war vor den Use-your-Illusions-Alben wegen zu starker Drogenprobleme aus der Band geflogen und hat auch heute noch mit Drogen zu kämpfen. Das wohl erfolgreichste ehemalige Mitglied ist Slash, der abgesehen von Velvet Revolver auch unzählige Duette mit verschiedensten Künstlern und Bands aufgenommen hat und auch ein erfolgreiches Solo-Projekt auf die Beine stellte.
Sänger Axl Rose zog sich nach dem Auseinanderfall der Band jahrelang zurück, schrieb im Stillen an Songs und brachte mit neuen Mitgliedern 2008 das Album „Chinese Democracy“ heraus. Doch viel mehr Aufsehen als mit dem Album erregte er durch seine raren öffentlichen Auftritte - teilweise war er generell unauffindbar - durch seine Unpünktlichkeit oder gleich Abwesenheit bei Konzerten und dadurch, dass, wenn er denn dann mal singt, entweder betrunken ist und dabei schon mal die Flagge des jeweiligen Landes verwechselt, in dem er gerade spielt. Auch Ex-Kollege Slash scheint herausgefunden zu haben, dass Fergie von den Black Eyed Peas die alten Kracher besser singt als Axl selbst.
Obwohl es das erste Album der Band war, war „Appetite for Destruction“ leider ein Vorbote dafür, wie es um den Leader der Gruppe mal musikalisch stehen sollte.
(C) 2011 by Sandra Andres

Mittwoch, 3. August 2011

3. August 2007 - Die Doktoren der Musik

Heute vor 4 Jahren, am 3. August 2007 reichte der legendäre Queen-Gitarrist Brian May seine Doktorarbeit in Astrophysik mit dem Titel „Die Reflexion von Sonnenlicht durch interplanetare Staubpartikel“ ein, nachdem er 36 Jahre zuvor das Studium abgebrochen hatte, um sich der Band Queen zu widmen. Während der Arbeit hatte er viel Zeit auf den Kanarischen Inseln verbracht, um dort mit einem der größten Teleskope der Welt zu arbeiten, bei dessen Einweihung er auch dabei gewesen war. May war bereits Ehrendoktor an der University of Hertfordshire geworden, meinte aber, er wolle auch einen Titel bekommen, für den er richtig hart gearbeitet hätte. Außerdem meinte er, mache es Spaß, sein Gehirn zu trainieren.
Mit dieser Ansicht steht May nicht alleine in der Welt der Rock- und Popstars. Offspring´s Frontman Dexter Holland hat nicht nur einen Bachelor in Mikrobiologie, sondern auch einen Master in Molekularbiologie und nur deshalb seinen Doktor nicht gemacht, weil er sich ebenfalls ganz der Musik widmen wollte.
Tom Scholz von der Band Boston, die unter anderem mit dem Lied „More than a feeling“ berühmt wurde, hat einen Master in Maschinenbau und nutzte sein Wissen zB. für das Erfinden neuer Verstärker.
Ein anderer Tom, Morello, studierte an der weltberühmten Harvard-Universität Sozialwissenschaften und graduierte cum laude. Nebenbei übte er jede freie Minute an der Gitarre und wurde zu einem der exzentrischsten und außergewöhnlichsten Gitarrentalente aller Zeiten. Sein Studium beeinflusste vielleicht viele der sozialkritischen und politischen Texte von RATM.
Auch Jim Morrison hat, abgesehen von einem IQ von 150, an der Film School in L.A. studiert. Er las bereits im Alter von 16 Jahren Rimbaud, Nietzsche und Blake, aus dessen Gedicht „The Marriage of Heaven and Hell“ auch der Name der Doors stammt.
Rivers Cuomo, der Sänger der Gruppe Weezer, studierte ebenfalls in Harvard, und zwar Musik, seit 1995 mit vielen Unterbrechungen, bis er schließlich 2006 graduierte, und zwar unter PhiBetaKappa, einer Auszeichnung die den außergewöhnlichsten Studenten von Kunst und Wissenschaft zukommt.
Eine der einflussreichsten Bands der 60er und 70er Jahre, The Velvet Underground, wurde überhaupt von klugen Köpfen geführt. Gitarrist Sterling Morrison hatte einen Bachelor in Mittelalterlicher Literatur, Frontman Lou Reed studierte Journalismus, film directing und creative writing. Gerade die letzteren beiden reflektierten sich stark sowohl in den songs als auch in den theatralischen Auftritten der Band.
Manche Rockstars führen gleich ein Doppelleben: Greg Graffin von Bad Religion studierte eigentlich Anthropologie und hat einen Master in Geologie. In seiner Freizeit unterrichtet er an der UCLA und der Cornell University. Auch Art Garfunkel nützte seinen Master in Mathematik und unterrichtete 1971 als Professor für Geometrie. Und Sting war vor seiner Karriere als Musiker eigentlich Englischlehrer, bekam später auch noch einen Ehrendoktor für Musik.
Weiters hatte der Surfband-Leader Dean Torrence einen Master of Fine Arts, Mick Jagger studierte eigentlich an der Londonder School of Economics und überlegte kurzzeitig auch mal, Journalist oder Politiker zu werden, Coldplay´s Chris Martin hat einen Titel in Antiken Weltstudien, darunter Griechisch und Latein, Colin Greenwood von Radiohead studierte Amerikanische Literatur in Cambridge und Alicia Keys beendete die High School überhaupt schon mit 16.
Nebenbei gibt es auch noch weitere Ehrendoktoren in Musik, darunter Bruce Dickinson von Iron Maiden, Bob Dylan, Paul McCartney, Annie Lennox oder Alice Cooper.
Die Liste der klugen Rockstars ist praktisch endlos und vielleicht hätte auch so manch anderer Magister, Doktor oder Gelehrte besser sein Glück in der Musik versucht. Und auch wenn Brian May, Dexter Holland oder Greg Graffin zeigen, dass Musik und Wissenschaft perfekt vereinbar sind, so sind wir doch froh und dankbar, dass sie ihr Lebenswerk der Musik gewidmet haben.
(C) 2011 by Sandra Andres

Montag, 1. August 2011

1. August 1987 - Die Geburt von MTV Europa

Heute vor 24 Jahren, am 1. August 1987, ging der damals erste Musiksender aller Zeiten, MTV, in Europa an den Start. MTV war 1981 in den USA gegründet worden, mit nur 168 Musikvideos im Repertoire. Das Ziel des Senders war es, Musikvideos zu spielen die von sogenannten VJs – Video Jockeys – auf Sendung präsentiert wurden. Zwischendurch gab es auch News aus der Musikwelt und Events wurden angekündigt, so zB. in den MTV News. Und wer erinnert sich nicht an Ray Cokes´ „MTV Most Wanted“ oder die Euro Top 20, die uns jeden Sonntag Vormittag sagten, was Top oder Flop war. Nicht zu vergessen die mehr individuell ausgerichteten Programme Yo! Raps oder Headbanger´s ball. Extreme Erfolge feierte auch MTV Unplugged, bei dem vor allem Rockbands zeigten, dass sie auch ohne Strom richtig was los hatten, darunter Legenden wie Nirvana, Eric Clapton oder Metallica.
Aufsehen erregte man unter anderem mit der Sendung Celebrity Death Match indem man Hillary Clinton gegen Monica Levinsky in der Premiere der Sendung fighten ließ. Mr. Clinton hingegen nutzte den unter Jugendlichen führenden Multimediagiganten 1993 wiederum positiv, um über Jugendarbeitslosigkeit zu sprechen.
Das Konzept der VJs machte übrigens viele Moderatoren zu Stars. Kristiane Backer, die erste deutsche Moderatorin bei einem damals rein englischsprachigen MTV, die später Bravo TV kreierte; Markus Kavka, der einige Jahre später von VIVA kam und fast zehn Jahre lang das Indie-Programm MTV Spin moderierte und jetzt eine Internet-Musiksendung hat oder Carmen Electra, die dabei sogar von Baywatch entdeckt wurde.
Seit 1994 gibt es auch die EMA´s, die Europe Music Awards, die jedes Jahr in einer anderen europäischen Metropole abgehalten werden und die beliebtesten Musikvideos Europas würdigen, die zuerst von den MTV-Zuschauern gewählt wurden. Präsentiert wird die show von bekannten Popstars, Entertainern oder auch Schauspielern.
Das erste Lied das je auf MTV Europe lief war übrigens „Money for nothing“ von Dire Straits, in der Sting am Ende die berühmte Zeile „I want my MTV“ wiederholt. Seitdem ist viel passiert: MTV gehört zu den größten TV-Netzwerken mit Sendern wie MTV Pop, VH1, TMF, Game on oder Nickelodeon und wenn man heute auf MTV zappt, dann sieht man hauptsächlich nur noch nicht-musikalische Programme, vorzugsweise Reality-shows wie The Hills oder 16 and pregnant. Im Laufe der Jahre wurde die Konkurrenz für MTV immer größer, viele verschiedene Musiksender in allen Ländern schossen aus dem Boden, MTV konnte dadurch weniger Geld von den Rundfunkveranstaltern verlangen, begann ab 1997 sich regionaler zu orientieren und es gab mehr landesorientierte und sprachlich verschiedene MTVs wie MTV Germany, MTV UK oder MTV Italia. Mittlerweile gibt es auch große Konkurrenz durch You Tube, wo man zu jeder Zeit jedes Video ansehen kann, das einem gefällt, oft zu niedriges Budget um richtig gute Videos zu machen, und MTV stellte das Programm schließlich fast vollständig auf Unterhaltungsshows um und man kann nicht mal mehr zu fortgeschrittener Stunde eine ordentliche Musikunterhaltung bekommen sondern muss sich stattdessen von Klingeltönen zudröhnen lassen.
Jahrelang waren viele Musiker praktisch von MTV abhängig, denn fast jedes Musikvideo der Welt hatte hier seine Premiere, darunter Meilensteine wie Like a Prayer oder Thriller. Heute ist es nicht so anders, denn ist man musikalisch weder noch kreativ noch produktiv, so kann man immer noch Karriere als Reality-Star machen, wie Ozzy Osbourne oder Jessica Simpson es vorgezeigt haben.
Nachdem MTV Europe mittlerweile mehr als 100 Millionen Haushalte in über 43 Gebieten erreicht, kann man sich vom Zustand der heutigen Popkultur leicht ein Bild machen.

Freitag, 29. Juli 2011

29. Juli 1966 - John Lennon´s Jesus-Kommentar

Heute vor 45 Jahren, am 29. Juli 1966 wurde John Lennon´s skandalöser Kommentar, die Beatles seien beliebter als Jesus, in dem US-Teen-Magazin „Datebook“ veröffentlicht.
Daraufhin wurden die Beatles auf 30 amerikanischen Radiosendern verboten, vor allem im traditionellen südlichen Amerika, aber sogar in den Niederlanden und in Spanien; Beatles Platten und Materialien wurden zerstört und verbrannt, die bevorstehende Tour stand auf der Kippe und John bekam sogar Morddrohungen.
Ursprünglich hatte John diesen Satz im Kontext eines Interviews gesagt, das er ursprünglich im März 1966 der englischen Journalistin Maureen Cleave unter dem Titel „Wie lebt ein Beatle?“ gegeben hatte. Er meinte darin, er habe letztens viel über Religion gelesen und das habe viele Ideen seiner Kindheit in Frage gestellt. Überhaupt glaube er, das Christentum sei am absteigenden Ast, sie selbst seien ja gerade beliebter als Jesus und er wüsste nicht, ob zuerst das Christentum oder der Rock´n´Roll gehen würde. In England krähte kein Hahn nach dieser Aussage, doch im Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten, wo überhaupt nur die Aussage und nicht das gesamte Interview gedruckt wurde, sah die katholische Kirche eine günstig Gelegenheit, endlich wieder mal einen Kreuzzug im Namen von Anstand und Moral zu führen und rief die Nation gegen die blasphemische und teuflische Rockband von Übersee auf, die die unschuldige amerikanische Jugend zu verderben drohte. Äh… wie war das nochmal mit dem radikalen Islam?
Die amerikanische Jugend sah das übrigens auch nicht so dramatisch, viele meinten und schrieben daraufhin: Ich mag die Beatles mehr als Jesus.
Am 6. August gab Manager Brian Epstein eine Pressekonferenz, in der er meinte, John wäre falsch interpretiert geworden und sein Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er habe gemeint, die Beatles hätten einen unmittelbareren Einfluss auf die Jugend und John täte es leid, wenn er dabei jemanden in seinem Glauben beleidigt hätte. Sollte doch jemand ein Tourdatum streichen wollen, so stünde er ihnen nicht im Weg.
Doch das war offenbar nicht genug, um das amerikanische Volk zu beruhigen und 6 Tage später trat auch John vor die Kamera und erklärte, dass er nur sagen wollte, dass mehr Kids auf Rock´n´Roll stünden und dieser einflussreicher sei. Er wollte die Beatles weder mit Jesus vergleichen, noch sagen, dass sie besser seien. Es war falsch, oder wurde falsch verstanden und schließlich wurde er sogar vom Reporter dazu gebracht, sich zu entschuldigen, mit den Worten: wenn es Sie glücklich macht, wenn es das ist, was ihr wollt, dann entschuldige ich mich, aber ich weiß immer noch nicht, was ich getan habe. Er meinte außerdem, es wäre absolut nichts passiert, wenn er sich statt auf die Beatles aufs Fernsehen bezogen hätte.
John erinnerte sich an den Zwischenfall später als die Jesus-Christus Tour.
Papst Benedikt der XVI hat den Beatles inzwischen übrigens offiziell und vollständig im Namen des Vatikans vergeben, vor allem, weil sie doch die Welt mit so schönen Melodien bereichert haben. Man kann also beruhigt weitersündigen, solange man nur schöne Musik macht.
(C) 2011 by Sandra Andres

28. Juli 1979 - I don´t like Mondays

Heute vor 32 Jahren, am 28. Juli 1979, wurde das Lied „I don´t like Mondays“ von den Boomtown Rats Nr. 1 im Vereinten Königreich.
Das Lied handelt von einem grausamen Zwischenfall in den USA, dem ersten sogenannten „school-shooting“ in der Geschichte des Landes. Am 29. Januar 1979 schoss die 16jährige Brenda Spencer ziel- und wahllos von ihrem Fenster aus 6 Stunden lang auf die gegenüberliegende Grundschule und tötete dabei 2 und verletzte 9 weitere Menschen. Als sie von einem Journalisten bei der Festnahme nach dem Grund gefragt wurde, meinte sie: „Ich mag keine Montage. Das hier belebt meinen Tag.“ Bis heute gibt es keinen anderen Grund dafür, falls man so etwas überhaupt begründen kann, was ich persönlich ohnehin bezweifle.
Eigentlich wollte Brenda einen Radio zu Weihnachten, doch ihr Vater, von dem sie später behauptete, missbraucht worden zu sein, schenkte ihr eine Waffe. Einen knappen Monat später kam es dann zu dem tragischen Zwischenfall, während die Boomtown Rats gerade in den USA waren. Frontman und Sänger Bob Geldof fuhr daraufhin in sein Hotelzimmer und schrieb den Song „I don´t like Mondays“, der ganz klar und deutlich von dem shooting handelt und erzählt, wie „sie heute alle davon abhalten würde, zur Schule zu gehen“, weil ihr Chip überladen sei und dass man in der heutigen Stunde lernen würde zu sterben. Das Lied fragt auch danach, welche Gründe man brauche um zu sterben und gibt als Antwort: I don´t like Mondays. I wanna shoot the whole day down. Eine weitere Zeile meint: Daddy versteht das nicht, wobei Daddy in Wirklichkeit nie einen Kommentar zu dem Shooting oder der Festnahme seiner Tochter abgegeben hat.
Der song wurde in 32 Ländern Nummer 1, außer in den USA, dort wurde er verboten. Später wurde er unter anderem von Tori Amos und Bon Jovi gecovert. Brenda sitzt übrigens immer noch im Knast, die Boomtown Rats lösten sich 1986 nach 6 Alben auf.
Und ich verabschiede mich mit dem Gedanken, dass ein simples Radio das alles vielleicht hätte verhindern können.
(C) 2011 by Sandra Andres

Mittwoch, 27. Juli 2011

27. Juli 1976 - Die Scheidung von Tina Turner

Heute vor 35 Jahren, am 27. Juli 1976, reichte Tina Turner die Scheidung von ihrem Mann Ike ein und beendete damit nicht nur eine 16 Jahre dauernde Ehe, oder besser gesagt Folter, sondern auch eine noch länger dauernde und viel erfolgreichere musikalische Partnerschaft.
Diese hatte viele Jahre zuvor begonnen, als Ike Turner, der damals einer der ersten Rock´n´Roll-Sänger war, mit seiner Band, den Kings of Rhythm durch Nachtclubs zog. Er war auch als Talentsucher tätig, hatte bereits B.B. King und den „Howling Wolf“ entdeckt und ließ in den Clubs regelmäßig Leute aus dem Publikum ans Mikro. An einem dieser Abende war auch die 16jährige Anna Mae Bullock im Publikum, grabschte nach dem Mikro und sang, dass es Ike geradezu aus den Socken warf. Trotzdem rief er sie erst ein gutes Jahr später an, als ein anderer Sänger für eine Aufnahme ausfiel und engagierte Anna Mae als Backgroundsängerin. Doch ihre rauhe, dynamische Stimme kam so gut an, dass sie bald eine wichtigere Rolle annahm und Ike gab ihr den Bühnennamen „Tina Turner“, obwohl er damals eigentlich noch verheiratet war. Tina hatte ursprünglich ein Verhältnis mit dem Saxophonspieler der Band, ihr erstes Kind stammt aus dieser Verbindung. Doch kurze Zeit darauf ließ sie sich auf ein Verhältnis mit Ike ein, ihre erste Eheschließung war jedoch ungültig, da Ike wie gesagt noch nicht die Mühe auf sich genommen hatte, sich scheiden zu lassen. Später waren sie rechtskräftig verheiratet und hatten auch ein Kind zusammen. Gemeinsam nannten sie sich die „Ike and Tina Turner Revue“ und hatten 3 Backgroundsängerinnen, die berühmten und ikonischen „Ikettes“. Ihr Markenzeichen waren Miniröcke, lange Haare oder wilde Perücken, high heels und exzessive Tanzeinlagen. Letzteres war es auch, was die Revue so bekannt und beliebt machte. Die Ikettes selbst gingen in die Geschichte ein, weil sie eine der ersten Back-up-groups waren und sozusagen ein Vorreiter für eine moderne Girl-Band.
Ihre erste Hitsingle hatten Ike and Tina Turner 1960 mit „A fool in Love“. Darauf folgten die gefeierte Cover-Version von „Proud Mary“, „River deep – mountain high“ und Tinas selbstgeschriebenes „Nutbush City Limit“, das auf ihren Heimatort zurückgreift.
Gegen Ende der 60er Jahre waren die Ikettes unglücklich, sie bekamen keine besondere Beteiligung an den shows sondern nur normale Bezahlung und verließen die „Ike and Tina Turner Revue“ schließlich. Sie versuchten noch kurzzeitig, eigenständig Auftritte zu organisieren, lösten sich aber 1970 ganz auf.
Die Revue suchte sich neue Ikettes, die schließlich 1973 mit Tina für ein Frank-Zappa Album sangen. Trotz der musikalisch herausfordernd geschriebenen Gesangsteile, meinte Tina dazu nur, das sänge sie doch noch mit verbundenen Augen und einem Besenstiel im Arsch.
Privat wurde ihre Beziehung zu Ike immer unerträglicher, war geprägt von Gewalt und psychischem Missbrauch, vor allem provoziert durch Ike´s konstante Drogensucht. Tina trat immer öfter alleine in TV shows auf, beging einen Selbstmordversuch und 1976 lief sie schließlich davon, während Ike in einem Hotel schlief, mit nichts mehr als 36 cent und einer Tankstellenkarte bei sich.
Im Scheidungsprozess kämpfte sie vor allem um eines: ihren Bühnennahmen behalten zu dürfen, den Ike wenige Jahre zuvor den Ikettes verweigert hatte. Wie wir alle wissen, behielt sie ihn.
Tina´s Solokarriere kam nur langsam in Gang, sie brauchte wohl einige Zeit um sich zu erholen und das Publikum, um sich an die Trennung einer der erfolgreichsten Pärchen des R´n´B zu gewöhnen. Nach einigen wenig erfolgreichen Alben schaffte sie schließlich 1984 den Durchbruch mit „Private Dancer“ und dem Nummer-1-Hit „What´s love got to do with it“. Daraufhin hatte sie mehrere Platin-Alben, gewann 8 Grammy-Awards, verbuchte rekordbrechende Tourneen, schrieb einen Titelsong für James Bond und sang mit Mick Jagger und David Bowie die bekannten Lieder „Tonight“ und „It´s only Rock´n´Roll“. Außerdem schrieb sie ein Buch über ihr Leben, „I, Tina“, das 1993 verfilmt wurde. Ihr letztes Album 2009 ist sehr spirituell beeinflusst.
Ike hatte nach dem Bruch der Revue gesetzliche Probleme, verbrachte wegen seines Drogenproblems einige Zeit im Gefängnis und starb schließlich 2007 an einer Überdosis Kokain.
Tina hingegen hatte ihre (bis jetzt) letzte Tournee 2008, gemeinsam mit John Miles, im Alter von 69 Jahren.
(C) 2011 by Sandra Andres

Dienstag, 26. Juli 2011

26. Juli 2006 - Das Ende von Top of the Pops

Heute vor 5 Jahren, am 26. Juli 2006, wurde nach über 2000 shows die letzte Folge der legendären Chartshow „Top of the Pops“ aufgenommen. Die Sendung startete ursprünglich im Vereinten Königreich, auf BBC am 1. Januar 1964 und sollte eigentlich nur einige shows lange dauern, wurde aber aufgrund des großen Erfolges 42 Jahre lang ausgestrahlt, anfangs jeden Donnerstag Abend zur Prime Time, ab 1996 wurde es auf Freitag verschoben und 2005, als der Erfolg endgültig abschwächte, kam es Sonntag abend auf BBC2. Seine größten Erfolge feierte „TOTP“ in den 70ern mit über 15 Millionen Zuschauern pro Woche. In den Anfangszeiten erfolgte die Ausstrahlung gleichzeitig auf Radio1.
Wöchentlich wurden die jeweiligen Topstars eingeladen, bis vor zur Nummer 1. Die erste show wurde am 1. Jänner 1964 von Alan Freedman, einem bekannten Radio-DJ, gemeinsam mit Jimmy Savile präsentiert und von den Rolling Stones eröffnet, die Swinging Blue Jeans folgten mit ihrem „Hippy Hippy Shake“ und die Beatles beendeten die show mit ihrem Nr-1-Hit „I wanna hold your hand“. Die Aufnahme ist heute leider verloren, da die BBC in ihren Anfangszeiten alles Material, das über 10 Jahre alt war, vernichtete.
Konnten die Künstler mal nicht persönlich kommen, wurde das Lied eingespielt und von Dance Acts begleitet. Dies stellte sich in den 80er-Jahren ein, als die Musikvideos aufkamen. Danach tanzte nur noch das Publikum.
Die erste Krise erfuhr das Programm 1996, als ein anderer britischer TV-Sender die beliebte Soap Opera „Coronation Street“ zur selben Sendezeit ausstrahlte. Danach wurde TOTP mehrere Male umgestylt, hatte unterschiedlichste Moderatoren und auch bekannte Gastmoderatoren wie Anastacia, Kylie Minogue, Lulu und Pulp´s Frontman Jarvis Cocker. Bon Jovi wurden zu den Niagarafällen geschickt, Celine Dion performte in Miami Beach. Ab 2003 konzentrierte man sich stärker auf Neueinsteiger und machte auch kurze Interviews mit den Stars. Doch trotz allen Bemühungen kam die Sendung nicht mehr auf ihre früheren Einschaltquoten und im Juni 2006 wurde sie schließlich offiziell gecancellt. Die letzte show wurde wieder vom Original-host Savile geführt und erfolgte ohne live-Auftritte, nur mit Archivaufnahmen von den Rolling Stones, den Spice Girls, David Bowie, Madonna, Robbie Williams und Shakira´s damaligem Nr.-1-Hit „Hips don´t lie“. Der letzte richtige Live-Auftritt war also der von Snow Patrol, mit „Chasing Cars“. Ein würdiges Ende, wie ich finde.
Seit April 2011 werden im britischen TV auf diverse Nachfrage Wiederholungen ausgestrahlt, 2007 wurde ein Comic Special mit Oasis, U2 und Franz Ferdinand gemacht und das jährliche TOTP-Christmas-Special gibt es immer noch. In den 90er-Jahren wurde das Konzept von TOTP an fast 100 Länder weiterverkauft, darunter Deutschland, Italien und die Niederlande, derzeit läuft es aber nur noch in Italien.
Den Rekord für den längsten Auftritt halten Green Day, mit ihrem 9-Minuten-langen song „Jesus of Suburbia“. Der kürzeste Auftritt wurde „Do or Die“ von den Super Furry Animals, er dauerte nur 95 Sekunden. Die meisten Auftritte hatten Status Quo, 106 insgesamt zwischen 1968 und 2005.
Für die ursprüngliche show gab es einige Regeln: ein Lied kam nicht in die show, wenn es am absteigenden Ast war und eine Band konnte auch nicht 2 Wochen hintereinander auftreten, es sei denn sie waren Nummer 1. Da es keine Regeln ohne Ausnahme gibt, galt dies nicht für Gary Glitter und auch nicht für Katrina and the Waves. 1997 wurde diese Regel dann ganz abgeschafft.
Außerdem wurde die Sendung ursprünglich zwar live präsentiert, aber playback gesungen. 1966 wurde playback aus TOTP verbannt, es gab aber zur Unterstützung sogenannte „Backing tracks“ und das TOTP-Orchester unterstützte die Sänger. Dieses wurde schließlich abgeschafft, unter anderem, weil sie während Jimi Hendrix´ Auftritt begannen, einen falschen song zu spielen, worauf Hendrix meinte, diesen Text kenne er nicht. Ab 1980 konnten die Künstler dann wählen, ob sie live oder playback singen wollten und Iron Maiden waren die ersten, die das wahr nahmen und seit 1972 den ersten TOTP-Live-Auftritt hatten.
Einige Künstler waren sowieso unglücklich mit der Playback-Lösung, Michael Stipe fand es so schwierig, dass er seinen Mund mit einem Megaphon verdeckte. Einige Bands protestierten auch gegen die Playback-performances. Der Schlagzeuger der Stranglers setzte sich gleich verkehrtrum an seine drums und trommelte in die Luft, Nirvana´s Kurt Cobain spielte die Gitarre mit den Fingern zentimeterweit vom Instrument entfernt, während Novoselic seinen Bass durch die Luft warf und Dave Grohl auf seinem Hocker tanzte und Cobain sang dazu in tiefer Opernstimme. Rod Stewart begann während einem Lied Fussball zu spielen und während Travis´ „Sing“ begann eine Kuchenschlacht. The Cure wickelten ihre Instrumente gleich in Stoffe ein und Depeche Mode traten mit ihrem Videoregisseur Anton Corbijn am Schlagzeug auf. Und was wäre eine britische Popshow ohne einen Skandal von Oasis? 1994 wurde der Rhythmusgitarrist hinters Cello gesetzt und nachdem er keine Ahnung hatte, wie das zu spielen war, nützte er wenigstens den Stab zum Dirigieren, weils ja eh egal war. Noel und Liam tauschten ihre Rollen im Gesang und der Gitarre (natürlich nur gespielt, da ja playback) und 2003 kaute Liam während dem Lied überhaupt gleich Kaugummi – aus Protest, aus Coolness, oder weil er einfach so over the top war.
(C) 2011 by Sandra Andres